Rheinauhafen

12. Juli 2013

Wie man schon auf den ersten Seiten lesen kann, beschäftigte sich das 6. Fachsemester in Baukonstruktion in diesem Sommersemester sehr intensiv mit Glasfassaden. Was liegt da näher, als ein Besuch im Kölner Rheinauhafen! Hier sind all die gelernten Konstruktionsweisen und Variationsmöglichkeiten im Fassadenbau 1:1 zu finden.

Für die notwendigen Hintergrundinformationen zu dem Areal gelang es uns, Frau Ana Maria Bermejo für einen Gastvortrag vor Ort zu gewinnen. Frau Bermejo ist von Haus aus Architektin und beschäftigt sich, nach unterschiedlichen Stationen im Architektenleben, zur Zeit mit professionellen Architekturführungen in und um Köln.

Auf dieser Tagesexkursion mit einer erlesenen Studentengruppe, durften wir also zwei Stunden lang gespannt zuhören, was es mit dem Rheinauhafen auf sich hat. Zunächst bekamen wir die historischen Zusammenhänge erläutert. Der Rheinauhafen mit seiner bevorzugten Lage an der Kölner Innenstadt, dort wo die ursprüngliche Stadtmauer auf den Rhein traf, hatte schon immer eine große Bedeutung für die Stadt und ihre Handelsverbindungen. Nachdem der Hafen nun aber nicht mehr als solcher genutzt wurde, ist er nach langer akribischer Planungs-, Abstimmungs- und Bauphase zu einem neuen Architekturquartier geformt worden.

Neben vielen Gewerbeflächen, aber auch kulturellen Einrichtungen, wie dem Schokoladenmuseum und angrenzend dem Sportmuseum, ist eine große Zahl an Wohneinheiten entstanden, die allesamt von bester Qualität und exquisiten Quadratmeterpreisen geprägt sind.

Die wohl markantesten Gebäude des Rheinauhafens sind die drei Kranhäuser, die vom Hamburger Architekturbüro Bothe, Richter, Teherani geplant wurden. Die zwei südlichen Türme dienen der Büronutzung, wohingegen der nördliche der drei über 60 Meter hohen Bauwerke mit Luxuswohnungen ausgestattet ist. Die Nutzung ist bereits an der Fassadengestaltung abzulesen. Hier waren Konsequenzen aus der Funktion auf die Fassade und ihre Konstruktion deutlich sichtbar.

Dank Frau Bermejo durften wir sogar eine Etage des „Kranhaus Eins“ von innen besichtigen. Hier begrüßte uns die Firma Regus (Mietbüros) zu einem kleinen Rundgang, auf dem auch die Funktionen der Fassade mit trickreichen Fensteröffnungen getestet werden durften.

Aber natürlich war dies nicht das einzige architektonische Highlight. Wir starteten unsere Tour von der nördlichen Spitze des Areals vom Dach des Schokoladenmuseums aus, das vom Architekturbüro Eller + Eller aus Düsseldorf entworfen wurde, in Richtung Süden. Unser Weg führte uns durch und um namhafte Architektur, wie zum Beispiel der Zollhalle 12 mit seinem „goldenen“ Staffelgeschoss von Molestina Architekten aus Köln oder der Wohnwerft von Oxen + Römer und Partner aus Hürth. Eine durchgängige Präsenz war natürlich von Dörte Gatermann zu spüren. Vor allem rund um das Hafenamt konnte man unterschiedliche Bauwerke aus ihrer Hand bewundern.

Den architektonischen Abschluss der Exkursion bot dann das Kap am Südkai von KSP Jürgen Engel Architekten, Braunschweig, das nochmals eindrucksvoll veranschaulichte, wie eine Glasfassade geschickt ihren Ansprüchen gerecht werden kann. Die schachbrettartige Gestaltung setzt im Zusammenspiel mit dem roten „Kamm“ des Gebäudes eine Marke, die das gesamte Hafenareal abrundet. Außerdem erfüllt die Fassade den Sonnen- und Lärmschutz und die Möglichkeit zur natürlichen Belüftung.

Alles in allem konnten wir also auf dem Gelände des Rheinauhafens beobachten, wie gute Architektur mit funktionierender Fassadengestaltung kombiniert wurde. Das im Semester gelernte war in der Anwendung zu sehen und zu verstehen.

Für eine kleine Gruppe von „Freiwilligen“ wurde es uns dann noch ermöglicht, unter der Leitung von Herrn Wulfkühler (Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, Stadt Köln), das zukünftige Areal des Rheinboulevards in Deutz zu besichtigen. Herr Wulfkühler erläuterte uns das Wettbewerbsverfahren und das gesamte Gestaltungskonzept, das während der Regionale 2010 entstanden ist. Abschließend durften wir uns auch noch das Baustellenareal anschauen, auf dem auch die historischen Funde zu bestaunen waren, die während der Bauphase gefunden und in das Konzept eingearbeitet wurden.